Irgendwann reicht der Kalender an der Wand nicht mehr. Dann suchst du nach einer Vermietungssoftware und findest sehr viele Angebote. Manche sind für Ferienwohnungen gebaut, manche für große Maschinenparks, manche für Termine beim Friseur. Für den Verleih von Gegenständen passt davon nur ein Teil. In diesem Ratgeber bekommst du 12 Kriterien, mit denen du jedes Programm prüfen kannst, einen ehrlichen Vergleich von Excel, Verleihsoftware und großen Branchenlösungen und eine Checkliste für die Testphase.

Bevor du vergleichst: Was brauchst du wirklich?

Die beste Software ist die, die zu deinem Alltag passt. Nicht die mit den meisten Funktionen. Nimm dir deshalb zehn Minuten und beantworte diese Fragen für dich:

  • Wie viele Artikel vermietest du, und gibt es manche davon mehrfach?
  • Wie lange wird gemietet: Stunden, Tage, Wochen oder Monate?
  • Wie viele Buchungen hast du in einem guten Monat?
  • Wer arbeitet mit: nur du, Familie, Aushilfen, ein Team?
  • Wo kommen die Anfragen her: Telefon, E-Mail, WhatsApp, Webseite?
  • Brauchst du Mietverträge mit Unterschrift und eine Kaution? Mehr dazu im Ratgeber Versicherung und Haftung.
  • Arbeitest du oft unterwegs, zum Beispiel bei der Übergabe auf dem Hof?

Mit diesen Antworten siehst du schnell, welche Kriterien für dich wichtig sind und welche du großzügiger sehen kannst. Wie ein Buchungssystem allgemein arbeitet, erklärt der Ratgeber Buchungssystem für die Vermietung.

Die 12 Kriterien im Überblick

Nicht jedes Kriterium ist für jeden Verleih gleich wichtig. Markiere dir deine drei wichtigsten.
KriteriumDarauf achtest duWarum es zählt
1. Zeiträume und MengenMietzeit über mehrere Tage, mehrere Exemplare je Artikel, mehrere Artikel je BuchungSonst passt die Software nur für Termine, nicht für Verleih
2. Preise je ZeiteinheitPreise je Stunde, Tag, Woche und Monat, sinnvoll kombiniert, dazu Saisonpreise und RabatteDu rechnest nicht mehr von Hand und vergisst nichts
3. KautionKaution je Artikel, getrennt vom Mietpreis, anpassbar je BuchungDie Kaution ist kein Umsatz und gehört nicht in den Preis
4. VerfügbarkeitWarnung bei Überschneidungen, Belegungsplan über alle Artikel, WartungszeitenDoppelbuchungen kosten Geld und Vertrauen
5. Mietvertrag und UnterschriftVertrag aus der Buchung, Unterschrift auf dem Gerät oder per Link, Rückgabe festhaltenSpart Papier und sichert dich bei Schäden ab
6. HandyGut bedienbar auf dem Telefon, am besten als App auf dem StartbildschirmÜbergaben passieren selten am Schreibtisch
7. Team und RechteWeitere Benutzer, getrennte Lese- und Schreibrechte je BereichAushilfen sehen, was sie brauchen, und ändern nichts aus Versehen
8. Online-AnfragenEigene Seite mit deinen Artikeln, Anfragen landen direkt im SystemWeniger Abtippen, schnellere Antworten
9. DatenschutzVertrag zur Auftragsverarbeitung, Angaben zum Serverstandort, sichere AnmeldungDu arbeitest mit Daten deiner Kunden und bleibst dafür verantwortlich
10. Export und AnbindungDaten mitnehmen können, Anbindung an deine BuchhaltungDu willst nicht für immer an ein Programm gebunden sein
11. Kosten und TestphaseKlare Preise, kostenlos testen, monatlich kündbarDu willst wissen, was es kostet, bevor du dich festlegst
12. SupportErreichbarkeit, Sprache, Hilfe beim EinrichtenWenn etwas klemmt, brauchst du schnell eine Antwort

Die wichtigsten Kriterien genauer erklärt

Zeiträume und Mengen. Das ist der häufigste Grund, warum ein Programm nicht passt. Ein Terminbuchungs-Tool weiß nicht, dass von zehn Stehtischen noch sechs frei sind. Teste deshalb gleich zu Beginn eine Buchung mit mehreren Artikeln und Mengen über ein ganzes Wochenende.

Preise. Mietet jemand neun Tage, soll die Software nicht neunmal den Tagespreis nehmen, wenn du einen günstigeren Wochenpreis hast. Prüf, wie das Programm Preise kombiniert und ob du entscheiden kannst, ob angefangene Zeiteinheiten voll berechnet werden. Wie du die Preise selbst festlegst, steht im Ratgeber Mietpreise kalkulieren.

Verfügbarkeit. Eine gute Software warnt dich, bevor du einen Artikel doppelt vergibst, und zeigt dir alle Artikel auf einen Blick. Mehr dazu im Ratgeber Doppelbuchungen vermeiden.

Datenschutz. Du speicherst Namen, Adressen und Telefonnummern deiner Kunden. Frag nach einem Vertrag zur Auftragsverarbeitung nach der DSGVO, nach dem Ort der Server und nach einer sicheren Anmeldung, zum Beispiel mit zweitem Faktor. Ein seriöser Anbieter beantwortet diese Fragen offen.

Export und Anbindung. Frag, wie du deine Daten bekommst, wenn du wechseln willst, und ob die Software mit deinem Buchhaltungsprogramm zusammenarbeitet. Eine Rechnung muss nicht in der Vermietungssoftware entstehen, aber der Weg dorthin sollte kurz sein.

Planungskalender in MietPlaner: jeder Artikel eine Zeile, jede Buchung ein Balken über ihren Zeitraum
Ein Belegungsplan zeigt auf einen Blick, welcher Artikel wann frei ist.

Excel, Verleihsoftware oder große Branchenlösung?

Nicht jeder braucht sofort eine Software. Und nicht jeder braucht eine große Lösung mit Lager, Fuhrpark und Buchhaltung in einem. Die folgende Übersicht hilft dir bei der Einordnung.

Allgemeine Einordnung. Einzelne Angebote können davon abweichen.
Excel oder PapierVerleihsoftwareBranchen-ERP
Passt fürwenige Artikel, wenige Buchungenkleine und mittlere Verleihegroße Betriebe mit vielen Standorten
Einrichtungsofortmeist in einem Tagoft Wochen, mit Beratung
Warnung bei Überschneidungneinjaja
Preis nach Mietdauernur mit Formelnautomatischautomatisch
Auf dem Handyumständlichmeist gutunterschiedlich
Mehrere Personenschwierigja, mit Rechtenja, mit Rechten
Kostenkeinekostenlos bis monatlichmeist deutlich höher, oft mit Einrichtungsgebühr

Für den Start reicht manchmal eine Tabelle. Ab mehreren Artikeln oder Mitarbeitern wird sie aber schnell zur Fehlerquelle. Woran du das merkst, steht im Ratgeber Excel-Alternative für die Vermietung.

Kosten fair vergleichen. Schau nicht nur auf den Monatspreis. Rechne auch die Zeit mit, die du heute für Abtippen, Nachrechnen und Rückfragen brauchst. Eine einzige verhinderte Doppelbuchung kann mehr wert sein als ein Jahr Software. Die Kosten für die Software sind bei einem Gewerbe in der Regel eine Betriebsausgabe. Mehr dazu im Ratgeber Gewerbe, Kleinunternehmer und Steuern.

Checkliste für die Testphase

Fast jede Software lässt sich kostenlos testen. Nutze diese Zeit mit echten Daten und echten Abläufen. Eine leere Demo sagt wenig darüber, wie sich das Programm im Alltag anfühlt.

  • Drei echte Artikel mit deinen Preisen anlegen, einen davon mehrfach
  • Eine Buchung über ein Wochenende mit mehreren Artikeln und Mengen anlegen
  • Prüfen, ob der Preis stimmt, auch bei neun oder zehn Tagen
  • Absichtlich eine Überschneidung erzeugen: Kommt eine Warnung?
  • Kaution eintragen und bei einer Buchung anpassen
  • Einen Mietvertrag erstellen und auf dem Handy unterschreiben
  • Eine Übergabe und eine Rückgabe auf dem Handy durchspielen
  • Einen zweiten Benutzer mit eingeschränkten Rechten anlegen
  • Eine Anfrage über die öffentliche Seite schicken und daraus eine Buchung machen
  • Datenschutz-Unterlagen und Vertrag zur Auftragsverarbeitung anfordern
  • Eine Frage an den Support stellen und die Antwortzeit notieren
  • Klären, wie und zu wann du kündigen kannst
Alte Daten nicht sofort löschen Führe deine bisherige Liste in der Testphase noch parallel weiter. Erst wenn alle kommenden Buchungen sauber in der neuen Software stehen, stellst du ganz um.

Team und Handy nicht vergessen

Zwei Punkte werden bei der Auswahl oft unterschätzt. Erstens das Handy: Viele Vermieter sitzen kaum am Schreibtisch. Die Übergabe passiert am Hof, auf der Baustelle oder am Steg. Prüf, ob du dort alles Wichtige schnell findest, auch mit schlechtem Netz. Zweitens das Team: Sobald eine Aushilfe mitbucht, willst du festlegen, wer was sehen und ändern darf.

Wie andere Branchen das lösen, siehst du zum Beispiel bei der Werkzeug-Vermietung, der Fahrrad-Vermietung oder der Baumaschinen-Vermietung.

Stand: 03.11.2026 · Maik Söllner